Band 01

Das Buch

THE VEIL Buchcover

Klappentext

Ryan J. Walker erinnert sich an einen Freund, den es nicht mehr geben soll. Kein Eintrag, kein Foto, kein Beweis — nur ein Name, der sich weigert zu verschwinden: Elias Hunter.

In Veylton beginnt ein stiller Krieg gegen die Erinnerung. Hinter der Stadt arbeitet ein System, das Menschen nicht tötet — es entfernt sie. Wer den Schleier durchbricht, wird Teil einer Akte, die nie hätte geöffnet werden dürfen.

Genre

Mystery-Thriller

Reihe

THE VEIL — Band 1

Sprache

Deutsch

Autor

Hasan Kice

Erscheint 24. Mai 2026 · eBook · Paperback & Hardcover folgen

Akte 001 · Leseprobe

Auszug · Kap. 5

Der Verlust

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Am Nachmittag kam Elias in den Laden. Schon bevor er etwas sagte, sah Ryan, dass etwas anders war. Elias wirkte nicht ängstlich. Nicht einmal offen nervös. Aber seine sonst so leichte, direkte Energie hatte heute einen Zug bekommen, als würde ein Gedanke in ihm arbeiten, den er noch nicht aussprechen wollte.

„Erinnerst du dich an den alten Bahnhof?", fragte er leiser. „Den verlassenen. Wo wir als Kinder manchmal waren." — Ryan nickte sofort. „Klar. Wieso?"

„Treff mich da heute Abend", sagte Elias. „Um acht." — „Warum nicht jetzt?" — „Ich erklär's dir dann." — „Elias—" — „Bitte."

Das eine Wort reichte.


Kurz vor acht erreichte er den alten Bahnhof. Der Ort lag still zwischen rostenden Gleisen und bröckelnden Mauern, als wäre er nicht verlassen worden, sondern langsam aus der Zeit gefallen. Verblasste Schilder hingen schief über den Bahnsteigen. Die Schienen verschwanden weiter hinten im Dunkel, ohne irgendwo sichtbar anzukommen.

Er sah auf sein Handy. 19:59. Dann 20:03. Dann 20:07. Kein Elias.

Ryan wählte seine Nummer. Er hielt das Handy ans Ohr und lauschte. Ein Klingeln setzte ein. Nicht aus dem Lautsprecher. Vor ihm. Ganz in der Nähe. Es kam von einer der alten Bänke am Bahnsteig. Dort lag ein Handy. Als er näher kam, erkannte er die Hülle sofort.

Elias.

Das Gerät war kalt. Nicht nur kühl von der Abendluft. Kalt auf diese stille, leblose Weise, die sofort falsch wirkte. Elias ließ sein Handy nie irgendwo liegen. Nicht hier. Nicht so.

„Elias!" Seine Stimme ging über die Gleise, traf auf Mauern, kam zurück — dünner, leerer, als hätte der Ort sie nicht behalten wollen. Nichts. Keine Schritte. Kein Fluchen. Kein verspätetes „Ich bin hier". Nur der Bahnhof. Nur dieses Tropfen. Nur sein eigener Atem, der zu schnell ging.

Dann spürte er es. Nicht ein Geräusch. Nicht eine Bewegung. Nur dieses plötzliche, kalte Wissen, dass er nicht allein war. Ryan drehte sich langsam um. Am Rand des Bahnsteigs stand eine Gestalt.

Still. Zu still. Das fahle Licht streifte nur Teile von ihr, gerade genug, um alles daran falsch wirken zu lassen. Der Kopf hielt eine Spur zu lange still. Die Arme hingen zu gerade. Selbst der Schatten schien einen Herzschlag zu spät zu reagieren, als hätte etwas das Bild eines Menschen gelernt, aber nicht den richtigen Takt dazu.

Ryan blinzelte. Die Gestalt war weg. Keine Bewegung dazwischen. Keine Schritte, die sich entfernten. Kein Rascheln. Nur leere Luft.

Er dachte, er hätte Elias verloren — aber in Wahrheit hatte etwas anderes ihn gefunden.

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